Armin Schram, 1929 – 2015

Mein Onkel Armin wurde 1929 in Prag geboren; in einer Stadt und einer Zeit, in der Deutsche und Juden durch die Sprache und den besonderen Ort noch vereint waren. Der Wahnsinn der folgenden Jahre hat in der Familie und damit auch in ihm tiefe Wunden hinterlassen, deren Wirkungen ich bis heute spüre.
Armin hat sein Schicksal in die Hand genommen. Mit 24 machte er in Wien den Doktor der Chemie und beteiligt sich am Wiederaufbau. Sein Wirken hat Menschen, Unternehmen, Politik und zuletzt die Forschung in Europa und Amerika verändert. Er wurde einer der erfolgreichsten Manager Deutschlands und war dabei im Herzen ein geradliniger, aufrichtiger, das Echte suchender Mensch.
Als leidenschaftlicher Segler und Jäger hat er jeden geschätzt, der diese Leidenschaften mit ihm geteilt hat. Es war stets zu spüren, wie er im Wald oder auf dem Wasser dem Leben nahe war. Wann immer unter Jägern oder Seglern das Wort auf ihn zu sprechen kommt, so schwingt ein Unterton von Anerkennung und Respekt mit. All das macht ihn mir zum Vorbild. Wenn ich neben ihm stand, wusste ich, wie ich einmal sein würde und der Gedanke hat mir immer gefallen. Ich war und bin stolz auf meinen Onkel. Nun bin ich der Letzte mit seinem Namen.
Gemeinsam mit meiner Mutter beginnt das Abschiednehmen von der irdischen Hülle und das Tragen ins Herz.
Was glänzt, ist für den Augenblick geboren. Das Echte bleibt der Nachwelt unverloren. (JWvG)

In Memoriam Günther Passin.

Requiem aeternam dona ei.

Mozarts Requiem am 9. November 2014 in der Pfarrkirche St. Gilgen

Der Umgang mit dem Tod eines lieben Menschen wird zum Spiegel seines Lebens und Wirkens. Im Fall des in diesem Frühjahr gestorbenen Oboisten Prof. Günther Passin ist dieser Spiegel erfüllt mit den besten Dingen, die sich in und zwischen Menschen abspielen können. Denn zur großen Trauer gesellen sich hier Liebe und Freundschaft und tiefe Verbundenheit in Gesinnung, Geist und Arbeit hinzu.

Es ging eine besondere Art der Spiritualität von Günther aus, wie sie sich in einem Musiker höchsten Ranges, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht, manifestieren kann. Darum ist es mir eine besondere Freude im Kreis der Menschen zu sein, die sich mit einem Mozart-Requiem am Ort seiner letzten Heimat St. Gilgen noch einmal von ihm verabschieden wollen.

„Quid sum miser tunc dicturus – Was werde ich sagen?“ fragt der Sopran im Dies irae angesichts des Tags des jüngsten Gerichts – ahnend, dass es im entscheidenden Moment am Ende diese Frage nicht mehr geben wird. Es bleibt beim Blick zurück auf das eigene Leben nur das Vertrauen darauf, es wohl und glücklich geführt zu haben. Und beim Blick voraus bleibt nur der Mut zur Hingabe zu etwas Größerem.

Pie Jesu Domine dona eis requiem, dona nobis pacem. Frommer Herr Jesus, schenke den Gestorbenen Ruhe, schenke uns Frieden.

Mozarts Missa pro defunctis KV 626
am 9. November 2014
in der Pfarrkirche St. Gilgen am Wolfgansee.

Beginn 18 Uhr
Kammerorchester M. A. Mozart St. Gilgen,
Chor und Solisten,
Leitung: Max Pommer

Vom Übermenschlichen.

In den Vorbereitungen auf meine nächste Rolle erwische ich mich immer wieder beim Versuch, Carl Maria von Webers „Der Freischütz“ auf ein menschliches, von mir begreifbares Maß herunterzubrechen. Ich suche nach Erklärungen für den Geisterspuk und die Teufelserscheinung in den Drogen, die Kaspar dem Max einflößt, versuche, Agathes ideale Liebe mit Naivität zu erklären und Max’s Schicksalsergebenheit mit einer Mischung aus Überforderung und Ängstlichkeit in Anbetracht der in ihn gesetzten Erwartungen. Weiterlesen

“MeTube” gewinnt den Deutschen Webvideopreis 2013!

Wer montags früh lächelnd zum Zahnarzttermin erscheint, hatte wohl ein tolles Wochenende – und was für ein Wochenende das war!

Die Eindrücke von der Verleihung des Deutschen Webvideopreises sind immer noch stark, das Lächeln breit und die Zuversicht groß.

In den letzten Jahren ist mit den sozialen Medien auch eine neue Kultur entstanden, die in ihrer Entwicklung ihresgleichen sucht. Der Deutsche Webvideopreis 2013, vergeben von der European Web Video Academy in Düsseldorf ist das bedeutendste deutschsprachige Schaufenster dazu. Mehrfach blieb mir während der Verleihung im Düsseldorfer Capitol-Theater der Mund offen stehen vor Staunen über die Breite der Themen, die Tiefe der gesellschaftlichen Bedeutung und die Qualität der nominierten Arbeiten. Zum Beispiel das Video von der Hochschule HS-OWL und der Organisation roterkeil.net für ihr Video “Nur neun Jahre Glück”, einer Nacherzählung der wahren Geschichte über einen missbrauchten Jungen.

Und dann war da noch die Verleihung in der ultimativen Kategorie “Epic” für das beste Video im Netz 2013. Bei der Aufzählung der Nominierten schien es mir für einen Moment undenkbar, dass wir mit MeTube gewinnen könnten. Als Daniel Moshel und ich dann verkündet wurden, verschwanden alle vorbereiten Sätze aus meinem Gedächtnis. Was ich als Dank gesagt habe muss ich mir wohl erst im Netz ansehen. Erinnern kann ich mich nicht. Auch nicht in allen Details an die anschließende Award-Party am Rheinufer mit japanischem Feuerwerk und an die vielen fabelhaften Gesprächen, viel Tanz und Alkohol…

Glücklich liege ich nun auf dem Zahnarztstuhl und denke an die großen Tage in Düsseldorf. Bis zum nächsten Jahr!

Jetzt bleibt mir noch, mich hier noch einmal herzlich zu bedanken. Bei Regisseur Daniel Moshel, bei Stephanie Winter, mit der das nächste Projekt schon in Angriff genommen wurde, bei Martin “Martini” Bauer für die Kamera und bei Jörg Mohr, bei Bernhard “Draxtor” Drax für das Musikarrangement, bei Phillip Preuss für den Remix, bei Jan René Lai für den zweiten Remix, bei Sammy Zayed für das Styling, bei Roland Pfannhauser für die Produktionsleitung, bei der großartigen Elfi Wunsch für die Darstellung der Mutter und ihre legendären Sager “Ulrich, du bist ein Schwein!”, bei Jakob Krisper und den KK-Strings für das Ertragen das Latex-Anzüge und bei den vielen, vielen weiteren Beteiligten an diesem herrlichen Werk.

Video-Release „MeTube“

„Carmen“ von Georges Bizet

Welches ist das am schnellsten wachsende Medium in der klassischen Musik?

Wie in allen anderen Lebensbereichen hat das Video auch bei der E-Musik längst eine zentrale Bedeutung erlangt. Kaum ein Besucher, der nicht vor einem Konzert auf Videoportalen nach dem Musiker sucht und sich ansieht, was er zu erwarten hat. In der Klassik findet er dort allerdings meist nicht mehr, als einen mehr oder weniger gut gemachten Live-Mitschnitt. Die wahren Möglichkeiten des Mediums Video als selbständige, machtvolle und vielseitige Erzählform werden hier so gut wie nie ausgeschöpft. Weiterlesen

Platée an der Neuköllner Oper Berlin

Premiere am 22. November 2012

In einer auseinander driftenden Gesellschaft braucht es nicht viel Vorstellungskraft, um ein zeitgemäßes Bild von selbstbezogenen, intriganten Göttern zu haben, die Ihre Macht zur Befriedigung der eigenen Gelüste benützen, statt dem großen Ganzen zu dienen und der „Erhebung der Welt“ zu einem besseren Ort verpflichtet zu sein.

Man trifft sie als Menschen an den Bars der angesagten Clubs und in von Drogenrausch und sexuellen Exzessen  triefenden Hinterzimmern moderner Luxus-Rückzugsorte.

So trifft man sie auch in der neuen Produktion der Platée nach Rameau an der Neuköllner Oper Berlin. Weiterlesen

Der Durchzug durchs Rote Meer

Zur Zürcher Erstaufführung von Hummels

„Der Durchzug durchs Rote Meer“

Sonntag 4. November 2012, 17 Uhr

Neumünsterkirche Zürich/Schweiz

Johann Nepomuk Hummel. So mancher nimmt diesen Musiker und Komponisten nur am Rande wahr. Sei es, weil er nicht zur „Wiener Klassik“ gezählt wird, obwohl er in dieser Zeit – gefördert von Mozart und Salieri, Nachfolger Haydns in am Esterház’schen Hof -  mitten im Geschehen war. Sei es auch, weil seine geistlichen Werke – natürlich unverdienterweise – nicht die große Verbreitung in den Konzertsälen und Kirchen von heute finden, wie die Messen Mozarts und  die Oratorien Haydns. Weiterlesen